8 Kommentare

  1. 28. Juli 2010 at 00:10 | | Antwort verfassen

    Wie gewohnt ein sehr lesenswerter Artikel :-)

    Ich denke allerdings, man muss auch unterscheiden, was und wie auf Twitter und anderswo kommentiert wird. Gegen Berichte über die Katastrophe an sich ist wohl nichts zu sagen, solange sie in gewissem Rahmen bleiben. Woran sich Andrea (sofern ich sie richtig verstanden habe) störte, war aber, dass Leute meinten, mal eben in einer halben Stunde aus hunderten Kilometern Entfernung analysieren zu können, wer denn nun schuld sei etc. Und derartige Schuldzuweisungen halte ich dann auch für etwas verfrüht. Ich weiß nicht, bei wem alles was schief gelaufen ist: Veranstalter, genehmigende Behörden, Umsetzung (-> Polizei), einer Mischung aus alledem oder was auch immer; und ich vermute, es wird auch noch eine ganze Weile dauern, bis man diesbezüglich über das Stadium der Spekulationen und einzelnen, meist unbestätigten Informationshäppchen wirklich hinaus ist…

    Natürlich darf und sollte jeder seine Meinung äußern können, aber je öffentlicher man das tut, umso mehr sollte man um Sachlichkeit bemüht sein, und das war meiner Ansicht nach leider längst nicht in allen Tweets (natürlich gab es auch andere) der Fall.

  2. Wenn Unglücke geschehen, reagieren Menschen auf ganz verschiedene Art und Weise. Und genauso wie es (für viele wahrscheinlich unverständlicherweise) Gaffer auf der Autobahn gibt, die auf der Gegenseite stehen bleiben, gibt es das in jedem anderen Bereich auch.

    Oft dann gleich bei der Hand mit Analysen, Schuldzuweisungen usw. So auch auf Twitter. Auch hier gibt es diesen “Gaffer-Strom”. Und auch wenn das altmodisch erscheinen mag, mir persönlich ist es wichtig, wie Menschen miteinander und übereinander reden.

    Ob jetzt face-to-face oder virtuell. Und die Art und Weise wie teilweise in unsäglichster Sprache kommentiert wurde, bringt keinem der Opfer etwas, macht das Unglück nicht ungeschehen und verhindert auch nicht zukünftige.

    Von daher kann ich Andrea gut verstehen, wenn sie schreibt, dass sie diese Art und Weise des sprachlichen Umgangs nicht schätzt.

    Und ob es wirklich sinnvoll ist, aus Twitter-Beiträgen zu zitieren, die damit aus ihrem Zusammenhang gerissen werden, wage ich etwas zu bezweifeln, wenn mir das an dieser Stelle gestattet ist. Denn dieses zerpflückte Darstellen ist halt auch nur ein Flickwerk und stellt nicht die ganze Situation dar.

    1. 28. Juli 2010 at 09:21 | | Antwort verfassen

      Liebe Alexandra, ich wollte Andrea nicht kritisieren. Mir ging es darum, zwei unterschiedliche Herangehensweisen zu beschreiben. Jede ist legitim, und ich verstehe auch Andreas Zorn auf sprachliche Entgleisungen, die ich zunächste nur z.T. nachvollziehen konnte, weil auf meiner Timeline fast keine Kommentare dieser Art gelaufen sind. Ich habe viel weniger Follower, und ich folge auch weniger Leuten, deshalb war das für mich über weite Strecken kein Thema. Im übrigen bin auch ich hin- und hergerissen vom Geschehen, den Kommentaren, der Art, wie die Veranstalter damit umgegangen sind. Wenn mein Beitrag nicht passend ist, kann ich ihn auch gern wieder vom Netz nehmen oder umarbeiten. Aber vielleicht wird ja auch deutlich, dass ich auf Orientierungssuche bin. Zitate können immer nur Ausschnitte oder gar Schnipsel sein. Auch das gehört zu Twitter.

      1. “Zitate können immer nur Ausschnitte oder gar Schnipsel sein. ”

        Genau das empfinde ich oft als Problem und ich beneide Journalisten und auch Politiker :-) nicht darum, diese wacklige Brücke überqueren zu müssen.

        Ich glaube es tut uns allen ganz gut, an unserer Sprache zu arbeiten. Denn Worte wirken. Immer. Und was mal schwarz auf weiß da steht, steht halt erst mal da.

        Was ich sehr positiv und angenehm finde, ist, dass es hier auf deinem Blog eine so gute Diskussionsatmosphäre gibt. Denn die wertschätzende Art mit verschiedensten Gedankenansätzen umzugehen und sich dabei auch immer wieder selbst zu reflektieren, bringt jedem von uns etwas. Dank dir dafür.

  3. 28. Juli 2010 at 08:56 |

    [...] und hier gibt´s (gerade entdeckt) auch noch ein paar “verwertbare” Gedanken zu dem Thema: http://arminkoenig.wordpress.com/2010/07/27/schweigen-oder-schreiben-indem-man-ein-ungluck-rationali... Veröffentlicht in Wahrnehmen und bloggen | Schlagworte: achtsamkeit, kommunikation, [...]

  4. 28. Juli 2010 at 09:30 | | Antwort verfassen

    Hallo Martin, auch dir gegenüber die Vorbemerkung: Es ging mir nicht darum, Andreas Beitrag zu kritisieren. Ich finde ihn beeindruckend in seiner Offenheit und Klarheit. Du hast auch Recht, wenn es um die Frage der Schuld geht. Wenn ich selbst betroffen wäre, würde ich vielleicht sehr viel zurückhaltender reagieren. Ich war in drei Statements sicherlich nicht sachlich, weil ich eben nicht verstehen konnte, dass die Veranstalter nicht wenigstens die Musik zurückgedreht und das Geschehen kommuniziert haben. Stattdessen war ich einfach nur geschockt. Trotzdem halte ich es für notwendig, dass man in Blogs auch mal die Möglichkeit hat, zwei Seiten zu beleuchten und zu diskutieren. Vielleicht sind wir erst ganz am Anfang einer Debatte, wie man in Social Media-Räumen mit solchen Ereignissen umgeht. Auf Twitter bin ich ja noch Novize, auch wenn ich schon Vieles geschrieben und kommentiert habe…

    1. 29. Juli 2010 at 18:25 | | Antwort verfassen

      Lieber Armin;

      zunächst: ich fände es extrem schade, wenn jemand Blogposts, Kommentare o.ä. zurückziehen bzw. löschen würde (wie in der Antwort an Alexandra angedeutet) nur weil andere – ggfs. sogar nur in Teilfragen – nicht seiner Meinung sind.
      Weiterhin glaube ich, dass hier einfach unterschiedliche Aspekte der Thematik betrachtet wurden; einerseits die Kommentare zur Schuldfrage (um die es vermutlich Andrea in ihrem Blogpost und mir in meinem Kommentar hier hauptsächlich ging), andererseits aber um die Nutzung elektronischer Medien an sich für Berichte, Kommentare etc. zu aktuellen Ereignissen, die Du gelobt hattest.
      Was den zweiten Punkt angeht, stimme ich Dir durchaus zu.

      Was die Kommentare auf Twitter zur Schuldfrage angeht, meinte ich gar nicht Deine Tweets (auch wenn einzelne etwas in die Richtung gingen; um daher dennoch kurz darauf einzugehen: ja, auch ich habe erhebliche Zweifel, dass die Veranstalter alles richtig gemacht haben, aber genauso Zweifel, dass sie da die einzigen waren…), sondern wesentlich schlimmere. Dass und wie sowas ausarten kann, hat man heute wieder miterleben dürfen: man kann ja – trotz Unschuldsvermutung, aber eben z. B. auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass auch im Duisburger Rathaus ermittelt werden muss und es widersprüchliche Aussagen dazu gab, wann Herr Sauerland über was informiert war – durchaus der Ansicht sein, dass der derzeitige Duisburger Oberbürgermeister momentan nicht gerade die Idealbesetzung für sein Amt darstellt, aber ihn dann mit Müll zu bewerfen oder auf Demonstrationen mit einer Sauerland-Puppe am Galgen aufzutauchen, erreicht dann doch Dimensionen, die für mich nichts mehr mit einer sachlichen Diskussion um die Tragödie bei der Loveparade und deren Ursachen zu tun hat; inwieweit Tweets da nur die Vorstufe einer anderen Art der Vorverurteilung bilden, sei mal dahingestellt.

      Allerdings gebe Dir auch Recht, dass Twitter nur eine andere Art der Kommunikation ist, die es schon immer gegeben hat, ob jetzt beim abendlichen Bier, beim morgendlichen Einkauf beim Bäcker oder eben jetzt in elektronischer Form. Und natürlich sehe auch ich das positiv.
      Der Vorteil dieser Internet-basierten Form ist nun, dass sich mehr Leute an einer Diskussion beteiligen können als vorher (wo das allenfalls in vielen kleineren Diskussionen zum gleichen Thema möglich war). Der Nachteil ist, dass sich mehr Leute an solchen Diskussionen beteiligen ;-) und sich Behauptungen somit auch schneller und in deutlich größeren Personenkreisen verbreiten (können).
      Es ist eine Sache, ob ich zu meinem Nachbarn am Gartenzaun sage “Ich glaube ja, dass XY an dem ganzen Desaster schuld ist”, eine andere, wenn ich das öffentlich und quasi für jeden lesbar behaupte, zumal es ja nicht um irgendeine Lappalie geht, sondern um fahrlässige Tötung in über 20 Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in einer deutlich dreistelligen Anzahl von Fällen…

      Aber wie gesagt: es war nicht meine Absicht, die Kommunikation auf Medien wie Twitter an sich – auch zu solchen Themen – oder die Gesamtaussage Deines Blogbeitrags zu kritisieren, auch wenn meine Zustimmung zu diversen Punkten in meinem ersten Kommentar etwas dünn ausgefallen ist…

      Noch eine kleine Ergänzung zur ProSieben Abschluss-CD: noch schlimmer fand ich ein Banner der Sueddeutschen Zeitung, das z.B. hier kritisiert wurde; allerdings sollte man auch dazusagen, dass schnell und vernünftig darauf reagiert wurde.

  5. @SebastianSPD
    28. Juli 2010 at 13:47 | | Antwort verfassen

    Ein sehr lesenswerter Beitrag, vor allem der Teil über die Stärken und Schwächen von Twitter. Die Menschheit wollte immer mehr, immer schneller, immer weiter. Das galt stets auch für die Kommunikationstechnologien. Inzwischen scheint diese enorme Schnelligkeit bei manch einem gar Schwindelgefühle auszulösen und man hört vereinzelt: “Anhalten” Ich will hier raus!”.

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