Oldenburg gegen den Rest der Welt?

Armin König und Gudrun Kerl


 

In der Jury: Armin König und Gudrun Kerl, die den Wettbewerb vor Jahren aus der Taufe gehoben hat.

 

 

 

Tuju-Stars und die kühlen Reaktionen von Frau Karczmarzyk aus dem Nordwesten

 

Nach über 350 Blog-Zugriffen, nach Kommentaren und „gefällt mir / gefällt mir nicht“, einem Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung Oldenburg, einem leicht beleidigten Trainerinnenkommentar, einem Leserbrief und vielen zustimmenden Reaktionen will ich noch einmal auf das Tuju-Stars-Bundesfinale 2011 eingehen, das bundesweit begeisterte Reaktionen gefunden hat – bis auf die Trainerin einer Mannschaft, die nicht gewonnen hat und ihr Umfeld. Man sollte bei der Deutschen Turnerjugend oder einem der Bildungswerke der Turnerbünde einen Kursus in Resilienz anbieten. Man kann es aber auch bleiben lassen.

Es stimmt ja: Nach einem so sensationellen Erfolg sollte man vereinzelte Kritik nicht zu hoch hängen. Sie gehört zum Gesamtbild, bleibt aber eine Randerscheinung. Ein anderer Kommentator, der sich anonymisiert TimTurner nennt, hat die Kritik etwas präzisiert und mich und die Turnerjugend zum Umdenken aufgefordert. Wir sollten für professionelle Jurys beim Tuju-Stars-Wettbewerb votieren, meinte der Tim. Wäre damit etwas gewonnen? Ich glaube nicht.

 

Hier mein Kommentar zu den Kommentaren:

Danke für das große Lob in Sachen Organisation. Wir freuen uns sehr darüber. Der TV Illingen hat sich toll engagiert, das Publikum war klasse – und die Gruppen natürlich! Sie haben das beste Finale seit Jahren zelebriert.

Nun zum Fachlichen:

1. Wir dürfen durchaus unterschiedlicher Auffassung sein, wer den Sieg beim Finale verdient hat. Wie bereits angemerkt, habe ich die „Spinnen“ aus Oldenburg (Young Generation) zwar nicht als Sieger gesehen, aber unter den Top 3. Respekt nicht nur an sie, sondern an alle teilnehmenden Gruppen. Sie waren begeisternd. Illingen hat sich gefreut.

Was “dieselbe grüne Gruppe” angeht, die angeblich immer gewinnt – die Green Spirits aus Hatten-Sandkrug – so war sie wirklich absolut durchchoreografiert, die Schwierigkeit der Elemente war höher als bei den Spinnen und der “Regenbogen”-Gruppe von Hofgeismar, die Akroelemente und insbesondere die geworfenen bzw. die Flugteile waren nicht nur sehr gut umgesetzt, sie passten auch in Idee und Anlage. Natürlich haben die Green Spirits mit den Emotionen des Publikums gespielt. Aber genau dies ist gewollt in diesem Wettbewerb. In der Ausschreibung heißt es: “Inhaltlich sind euch keinerlei Grenzen gesetzt. Die Vorführung sollte eine kreative, auf die Musik abgestimmte, Darbietung sein.” Und auf der Homepage der DTJ im DTB-Portal lesen wir: “Tuju-Stars” ist der Wettbewerb für jugendliche Showgruppen aus dem turnerischen Bereich. Begeisterte Jugendliche führen ihre kreativen Geschichten in einer mitreißenden Show vor, deren Gestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.” Alles erfüllt, Tim-Turner!

2. Tuju-Stars sind kein Rendezvous der Besten, wo bestimmte Kriterien von einer Fachjury bewertet werden – übrigens durchaus auch subjektiv,wenn ich dies aus mehrjähriger Beobachtung anmerken darf. Tuju-Stars haben eine andere Grundkonzeption. Ich empfehle die Lektüre der Ausschreibung. Dort heißt es unter anderem:

“Tuju-Stars ist ein Showwettbewerb und hat keine festen Wertungsvorschriften. Aus diesem Grund setzt sich die 8-10köpfige Jury vor allem im FINALE neben Turn- und Sportexperten auch aus “Laien” (Politik, Wirtschaft, Theater, Show, Presse,…) zusammen.

Die Vorführungen werden von den Jury-Mitgliedern unter Berücksichtigung folgender Gestaltungsaspekte bewertet:

• Originalität/ Idee

• Musikalität

• Schwierigkeitsgrad

• Synchronität

• Kostüme

• Ausdruck und Präsentation

Jedes Mitglied vergibt für die einzelnen Gruppen Platzierungen. Die Endplatzierungen ergeben sich aus der Summe dieser Einzelwertungen.”

Das war schon immer so gewollt – für die Fachwettbewerbe gibt es das Rendezvous, TGM- und TGW-Wettbewerbe. Wer dort (ebenfalls) teilnehmen will, kann dies gern tun. Einzige Hürde ist die (untere) Altersgrenze. Sportlich sind beide Wettbewerbe mittlerweile gleichwertig. Gerade weil die Tuju-Stars solche Freiheiten bieten und weil sie sich ans Publikum wenden und populär sein wollen, sind sie als Wettbewerb so eingeschlagen. Dies zu ändern, hätte vermutlich Konsequenzen für die Attraktivität.

Die Jury hat fair und richtig bewertet, auch fachlich-sachlich. Es gibt keinen Grund, liebe Oldenburger, die Jury zum Sündenbock zu machen. Wenn wir euch nicht gut genug waren, tut es mir leid. Wir haben  unser Bestes gegeben – wie die Sportler. Wenn die „Fachleute“ (welche bitte? Choreografen? Akrobaten? Kunstturner?) lieber unter sich bleiben wollen, kriegen sie vielleicht auch weniger Resonanz in der Öffentlichkeit von prominenten Personen, die das Turnen und die Tujus unterstützen. Hatten wir alles schon mal. Da waren Turnerjugend-Wettbewerbe nur Was für Insider.

Damit wir uns verstehen: Ich muss nicht mehr in Kampfgerichten sitzen. Das habe ich als Kunstturn-Kampfrichter lange genug getan. Die Jury-Aufgabe habe ich – wie meine Kolleginnen und Kollegen – gern übernommen, weil es eine Ehre für uns war, gefragt zu werden. Aber bitte, das könnt ihr auch anders haben. Ganz nebenbei: es war eine einzige Nicht-Turnerin / Nicht-Sportlerin (siehe oben, Ausschreibungskriterien) in der Jury: die Vertreterin des örtlichen Handels. Und die hat ihre Aufgabe sehr gut gelöst.

Deshalb habe ich für die Kommentare der Oldenburger Trainerin auf Kosten der Konkurrenz und der Jury kein Verständnis. Das macht man nicht. Was die fachlichen Aspekt angeht: Ich hätte schon Lust in die Einzelkritik einzusteigen. Aber als “Laie” verkneife ich mir dies.

3. Die Spinnen aus Oldenburg haben ihren Auftritt sehr gut gemeistert, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Deshalb gibt es auch keinen Grund, warum sie sich unterkriegen lassen sollten. Sie haben meines Erachtens viel Zukunftspotenzial – vielleicht das größte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die die Zukunft entscheiden wird.

Mir hats jedenfalls super gefallen, ich bin froh, dass der Wettbewerb so ein starkes Niveau hatte und dass so viele begeisterte Tujus in Illingen zu Gast waren. Wäre schön, wenn wir irgendwann wieder Gastgeber eines Tuju-Wettbewerbs sein dürften. Ich muss dann aber nicht in die Jury, Freunde…  Einfach nur zuzuschauen, ist noch viiiiiiel schöner.

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